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Entpanzern und Frauen

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Sexualität

Frauen und Männer panzern sich zwar in vielen Aspekten auf dieselbe Weise, wir panzern uns aber auch geschlechtsspezifisch.

Wir Frauen sind von Anfang an mit kulturellen und sozialen Ideen und Bildern konfrontiert, wer und wie wir sein, wie wir uns verhalten, wie wir aussehen sollten. Wir werden durchtränkt mit Bildern von jung aussehenden, dünnen, sexy Frauen als Ideal der Weiblichkeit – Bilder, die sich komplett auf äußere Attribute beziehen. In Wirklichkeit entspricht keine Frau diesen Bildern, nicht einmal die Models der Modemagazine. Wir scheinen immer einen Schritt hinter den sozialen Normen her zu sein, wir meinen uns fehlt etwas, wir müssten noch etwas erreichen, um „richtig“ zu sein.

Zusätzlich erleben Frauen das Altern als weiteren Verlust eines Ideals. Oft wird eine Frau bemitleidet oder verliert sogar Respekt, wenn sie älter wird. Was sich zum Beispiel darin widerspiegelt, dass es als höflich gilt, eine Frau nicht nach ihrem Alter zu fragen. Als ob Altern ein Attribut der Schwäche oder ein Grund zur Scham wäre. Dem Weiblichen innewohnende Qualitäten wie Fürsorglichkeit, Nähren, Räume kreieren und halten, diese Qualitäten sind im kollektiven Bild von Frau-Sein kaum enthalten, ebenso wenig wie Reife in Herz, Geist und Körper.

Es gibt wohl kaum eine Frau, die auf der Suche nach ihrer Individualität und Eigenart nicht mit diesen Erwartungen und Idealen gekämpft hat. Während einige von uns viel Zeit und Energie investieren, manchmal sogar Schmerz, um diesen Bildern zu entsprechen, haben andere Frauen diese Ideale protestierend ganz gehen lassen, ohne jedoch ihre eigene individuelle Natur zu entwickeln.

Über die Anstrengung herauszufinden, wer wir wirklich sind in unserer Geschlechtlichkeit, in unseren Körpern und in unserer Sexualität, haben viele Frauen auf halbem Weg aufgegeben.

Die meisten von uns haben keine gute und wahrhaftige sexuelle Bildung erhalten. Nichts, was uns durch das Labyrinth des eigenen Körper mit seinen verschiedenen zyklischen Bedürfnissen geholfen hätte. Noch weniger haben wir gelernt, durch die Schleier der Interaktionen mit dem anderen Geschlecht zu schauen. Selten wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass Männer und Frauen in ihrem Denken, ihrer Psyche und in ihrer Sexualität sehr verschieden sind. Bis wir mit den Tatsachen und dem Schmerz konfrontiert waren.

Somit haben sich viele von uns mit dem anderen Geschlecht eingelassen, ohne sich selbst zu kennen und ohne Wissen über den anderen. Das hat vielen Frauen traumatische Erfahrungen eingebracht, es hat zu Missverständnissen, Verlust, Frustration, Selbstzweifel und Ressentiments geführt.

Nun, die Männer in unserer Gesellschaft sind nicht besser vorbereitet oder gebildet, wie sie mit Frauen umgehen können. Dies führt zu Interaktionen der Geschlechter mit verbundenen Augen, von der ersten jungen Liebe an. Und deshalb bauen wir Mauern der Vorsicht auf, des Rückzugs und der Distanz. Wir werden unwillig, wenn nicht gar unfähig, uns wahrhaft einzulassen und loszulassen.

Wenn wir uns nicht sorgsam selbst gewahr sind, erklären einige von uns diese Mauern sogar zu einem Teil des Schutzes unserer Individualität und Freiheit; dabei sind die Mauern in Wahrheit Teil unserer Panzerung. Sie halten uns von der Freiheit ab, voll zu leben und uns einzulassen. Diese Panzerung ist mit Recht angelegt, kann man sagen, denn ohne Wissen um männliche und weibliche Energie haben wir wenige Ressourcen, um uns offen einlassen zu können und nicht in den nächsten Schmerz zu rennen.

Diese Unwissenheit über „männlich“ und „weiblich“ und ihr energetisches Zusammenspiel vernarbt unsere Empfindungen und baut negative Emotionen auf. Außerdem führt es oft auch zu falschen Schlussfolgerungen über das andere Geschlecht. Die Resultate sind Schuldzuweisungen und Groll, die Distanz erweitert sich und stört ernsthaft unser sexuelles Erleben.

Heute weiß man, dass viele Frauen in ihrer Kindheit und im frühen Erwachsenenalter missbraucht wurden. Auch viele Männer. Aber es wird wenig gesprochen über die vielen Situationen, in denen eine Frau groben Sex erlebt. Sex, zu dem sie eingewilligt hat, aus einer dummen Entscheidung heraus oder einfach deshalb, weil sie nicht geübt ist, „nein“ zu sagen – ein weiterer Aspekt sozialer Konditionierung.

Meistens ist grober Sex keine offene Aggression der Frau gegenüber. Aber grober Sex kann qualifiziert werden als sehr ungekonnt und von Seiten des Mannes oft auch ego-zentriert, weil ihm Sensibilität und Wissen fehlen. Solche Erfahrungen sind oft stark emotional geladen , sexuell hochgradig unerfüllend und wirken sich negativ auf den Selbstwert der Frau aus. Aber auch direkt auf ihren Körper:

Beckenboden und Genitalien sind die empfindsamste Körperzone einer Frau. Wenn eine Frau grob oder abrupt berührt wird, oder wenn sie penetriert wird, bevor sie körperlich empfänglich und offen dafür ist, zieht sich das Gewebe automatisch zusammen und kreiert Spannung und Stress. Je mehr wir uns aber im Beckenboden anspannen, desto weniger empfindsam werden wir. Wir panzern uns nicht nur im Beckenboden, sondern beginnen uns auch in der Vagina zu panzern, manchmal sogar den Uterus zu verhärten.

Diese Panzerung führt zu einem graduellen Verlust von Empfindsamkeit in unseren Genitalien. Für viele Frauen bedeutet dies, dass sie mehr und mehr externe klitorale Stimulation benötigen, um sich zu spüren und einen Orgasmus zu erreichen, während das Innere der Vagina taub und in der Erfahrung unverbunden bleibt, auch bei einer Penetration. Andere Frauen haben sich von der Sexualität ganz zurückgezogen oder versuchen, Sex wann immer möglich zu vermeiden.

Durch die Panzerung in unseren Genitalien sind wir ernsthaft von der heiligsten Lebenskraft abgeschnitten, von unserer natürlichen Gabe zur Ekstase. Oftmals ist diese Panzerung auch mitverantwortlich für PH-Ungleichgewicht oder Infektionen, sie kann sich negativ auf unsere genitale Gesundheit auswirken.

Im Entpanzerungsprozess lassen wir die gepanzerten Platten los, die uns an verschiedenen Stellen des Körpers einengen. Frauen können tief nach innen reichen und die Panzerung in ihren Genitalien lösen. Body De-Armoring und der Einsatz der sexuelle Lebenskraft, um die Panzerung von innen her zu lösen, ist ein starker Weg, um die körperlichen Empfindungen in unseren Genitalien wieder zurück zu gewinnen und den Beckenboden von vergangenen negativen, erschreckenden oder einfach unerfreulichen Erfahrungen zu befreien.

Die Freiheit, sich selber wirklich zu empfinden und in einer sexuellen Erfahrung mit sich selber präsent zu sein, ist der große Gewinn für viele Frauen, die durch den Prozess gegangen sind.

Für viele ist diese Erfahrung ein Neuanfang auf der Reise der Selbstentdeckung und der gegenseitigen Entdeckung mit ihrem Geliebten. Ein neuer Ort der Neutralität, wo die negativen Aspekte der Vergangenheit keine Kraft mehr haben und Frau sich auf ihre Sexualität neu einlassen kann. Eine zweite Chance.

 

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